Leben


Die wahren Opfer schweigen.
Sie haben keinen Namen.
Begraben liegen sie auf Äckern,
wo Weizen wächst und Gras.

Und wenn der Wind die Halme streift,
kannst du sie singen hören
an einem spätem Sommertrag.
Und alle raunen: Lebe und vergiss!

Schreite weiter. Wir sind die Erde
neuer Kinder. Blüh‘ auf und bleibe heiter.
Und so vergeht die Schuld gewiss.

So wachsen Generationen.
Und jeder neue Mensch wird bald
in einer Welt voll Illusionen.

Die Wahrheit ist das Leben.
Das Leben wird nicht alt.

Kinder


Mein liebes Kind, du nervst.
Ich liebe dich, du bist ein Scheusal.
Seitdem du aus mir rausgekrochen bist,
bist du ein Teil von mir.

Du, ich mein liebes Kind.
Du stinkst und hast oft Hunger.
Doch immerhin, du stammelst schon,
auf meiner Erde bist du Gottes Lohn.

Und manchmal eine Tochter.
Nun muss ich dich erdulden,
liebes Kind, weil du mich brauchst.

Und wenn du wächst, dann
wirst du mir entgleiten. Ich
hab‘ ein Kind, damit die Welt

sich dreht, denn wenn es
um die Kinder geht, wird mich
das Schicksal leiten.

Abenteuer


Das Abenteuer ist ein Ort ohne Regeln,
Schiffe segeln dorthin und Frachter,
man erfährt davon durch die Moral
mit kritischen Fragen und dem Missfallen

von Lehrern und Priestern. Das Abenteuer
ist seltsam, die besseren Leute überlassen
es bezahlten Biestern oder Verbrechern.
Das Raubgut wird übergangen, umgebucht.

Das Abenteuer ist eine heilige Sache.
Es hat Konten gefüllt und Herrschaft
ermöglicht. Die Helden, grausam und blind,
haben Gott und dem Heiland gedient.

Das Abenteuer ist eine Sache, an dem
sich die bessere Menschheit bedient.
Helden sind aus der Mode gekommen.
Der Mensch liebt es heute sachlich.

Abenteurer haben ausgedient.
Alles heute ist bequem und bitte,
alles ist fachlich. Wo die Drecksarbeit
bleibt, wir wissen es nicht.

Helden dienen dem Sport.
Sie ruinieren den Körper und
machen Punkte, erholen sich an
einem Ort ohne Abenteuer.

Heute ist das Abenteuer Verbrechen.
Wir kennen die Helden von damals nicht
mehr und verurteilen ihre Seelen.
Im Grunde verstehen wir sie nicht mehr.

Erde – Menschenfrei


Wenn ich nur die Natur anbeten darf,
die hoffnungslos geworden ist, weil
viele junge Menschen glauben, dass
dieser Erdball nichts ohne Menschheit ist,

Dann bin ich froh, weil ich so hässlich bin.
Denn ich ertrage wenig Nähe und bin in
meiner Einsamkeit der Welt so nahe,
dass ich noch jeden Menschen sehe.

Mir ist es gleich, wie ich den Menschen sehe.
Nutzlos und unwichtig sind wir alle
im Vergleich mit der Natur.

Und jeder darf sich wichtig fühlen,
ein jeder glaubt, es geht nicht ohne ihn.
Kein Mensch erkennt sein Nichts.

Und wenn er stirbt, dann geht es ohne ihn.

Schöne Mühe


peinlichIch nehme an, ich bin genug, wenn es zum Leben reicht.
Ich denke dann, dass es dem anderen genügt, wenn ich
ein Lachen finde. Zum kleinen Anlass reicht ein Fest mit
hohen Kosten, für das sich jeder groß gemacht.

Und wenn es nicht genügt, hat jeder viel getan. Und manchmal
ist genug so viel, dass jeder weiß, es hat gereicht. Es reicht
für eine Bühne und ein Fest. Der Wein war gut, das Brot,
die Reden waren schlecht. Doch für die Freude aller,
hat die Mühe längst gereicht.

Kurzfassung einer langen Diskussion


Keine Bedrängung. Weniger ist mehr.
Kümmere dich um deinen kranken Mann.

Freundschaft zum falschen Zeitpunkt schadet uns beiden sehr.
Meine Mutter benötigt meine Hilfe. Mein Vater lebt nicht mehr.

Ein Gedicht vielleicht, aber keine Kümmernis,
Arbeit an den banalen Quellen des Lebens.

Die Existenz bleibt, weil es viel zu tun gibt,
den Wohlstand gibt es nicht mehr.

Glückliche Zeiten, ein Gespräch mit der Mutter.
Nicht jede bezahlte Rechnung bedeutet Glück.

Keine Liebe bleibt glücklich und falsche Küsse
gibt es nicht mehr. Der Reim ist die Rettung der
Natur.

Poesie


alleppoIch denke, dass die Worte die ich sage
etwas zu tun haben mit der Luft;
die atme und dem Schlaf und der
Lebendigkeit, in denen ich mich

wieder finde. Wer liest schon Gedichte.
Und dennoch ist Poesie eine innere Stimme.
Sie begleitet dich mit oder gegen deinen
Willen. Sie verwandelt die Menschen

und die Orte, ohne dass sie es wollen
in eine Fantasie. Es geschieht einfach
und manchmal denke ich, das ist Idiotie.
Klar muss ich denken gegen Poesie.

Die Vernunft ist so banal, wie unser Wünsche und
diese Körperwelt. Die Wirklichkeit besteht
aus Zahlen, die Innerlichkeit aus Poesie.
Ich finde mich in beiden Welten wieder.

Mal hier, mal dort. Doch wenn ich einstmals
sterbe, dann ist das letzte was mich wieder
findet die Bilder einer alten Poesie.

Die alte Stadt


die alte stadtDie alte Stadt ist voller Zuversicht.
Sie steht und fällt gut aus.
Und viele Menschen sonnen sich,
sie geben Geld in Neustadt aus.

Die alte Stadt kennt viele Kinder,
dort führen alle Wege zu den Gärten
und auch in Schulen kennt man sich
gut aus. So lebt es sich sehr gut

in dieser alten Stadt. Die neuen Menschen
kennen sich gut aus in dieser alten Stadt.
Und viele alte Märchen umranken
diese Stadt. Befrage alte Frauen,

dann wird die Stadt zu einem Unheilsort.
Befrage junge Frauen, dann wird die Stadt
zu einem Sehnsuchtsort. So wandelt sich
die Stadt in dem Gesicht ihrer Bewohner.

Die alte Stadt ist Jung und Alt, sind manche
Jungen. Die alte Stadt bleibt alt und vorbehalten
allen Jungen. Doch fürchte diesen Fluch,
das Leid der Alten. Damit dich nicht das Leid erschlägt,

der Toten oder ihrer falschen Jungen.

Fröhliche Menschen

Schlagwörter

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Fröhliche Menschen sind Scheiße.
Scheiße ist kein poetisches Wort.
Dass fröhliche Menschen Scheiße sind
erkläre ich durch den Stimmungsort.

Die Scheiße der fröhlichen Menschen
erklärt sich aus ihrer Energie, denn
sie walzen alles nieder mit ihrer
wirtschaftlichen Synergie.

Fröhliche Menschen sind Scheiße,
sie bleiben nicht lange an einem Ort,
sie müssen sich ständig bewegen,
Mal sind sie hier, dann sind sie fort.

Fröhliche Menschen sind unbestimmt
und lassen sich niemals bremsen,
sie belehren andere Menschen sofort,
um sie dann noch zu bekehren.

Fröhliche Menschen sind Scheiße,
sie genießen es zu belehren, dabei
kommt meistens Scheiße raus,
was genügt für ein Leben

im Armenhaus. Fröhliche Menschen
sind zuversichtlich, was die Armut
ihrer Mitmenschen betrifft. Sie erpressen
die Armen mit ihrem Geld

und ihrer falschen Zuversicht.
Fröhliche Menschen sind ignorant,
sie ersparen sich die Probleme
der anderen Menschen und verkaufen

die Zukunft an Rentner, um das Vermögen
der Kinder mit falschen Verträgen zu leeren.
Fröhliche Menschen sind Scheiße,
den sie lügen sehr andauernd,

dass fröhliche Menschen Scheiße sind,
weckt in mir das größte Bedauern.
Denn wenn die Fröhlichkeit weicht
und der Körper fordert seinen Tribut,

dann werden sich fröhliche Menschen
bevorzugt selbst bedauern. Selbst dann
sind sie fröhlich und denken an sich,
auch dann werden sie fröhlich jammern

und sind mit ihrem Leiden bei sich,
um die Armen heuchelnd zu bedauern.

 

Erwachen

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Ich bin erwacht und war so tief ertrunken in
meinem Schlaf. Dann hat mich eine Welle
an den Strand gespült. Ich war allein

und hatte viel zu viel getrunken. Erwachend hat mich
die Morgensonne in die Nüchternheit in diese Wirklichkeit
zurück gespielt. Zuerst erwachte mein Gehirn, dann meine Glieder.

Und als mein Wille und ich selbst zurück gefunden haben
erwachte ich aus meinem Schlaf, ich sah mich um
und alle Dinge wurden meine Brüder. Und ich erhob mich,

um meinen alten fetten Körper abzuwaschen. Danach
trank ich Kaffee. Nach unten ging ich nur, um eine Zeitung
voll‘ Klischees auf einen Tisch zu legen.

Bevor ich es versah, wurden aus acht Stunden zehn.
Bevor ich es verstanden hatte, zeigte die Sonne
den Zenit. Erst als ich Mittagessen kochte, war mir bewusst,

dass alles was ich tun musste, zu schreiben war. Eventuell
auch singen oder tanzen, an einem späten Nachmittag.
Und als der junge Tag so schnell verging, ich wieder trinken

musste. Damit die Stunden leicht an mir vorüberziehen.
Damit ich spät in dieser Nacht und an dem frühen Morgen
wieder spät erwachte, sodass die Tage und die Wochen gehen.

Bis zu dem Tag, an dem ich schlafen  ging.