Kurzfassung einer langen Diskussion


Keine Bedrängung. Weniger ist mehr.
Kümmere dich um deinen kranken Mann.

Freundschaft zum falschen Zeitpunkt schadet uns beiden sehr.
Meine Mutter benötigt meine Hilfe. Mein Vater lebt nicht mehr.

Ein Gedicht vielleicht, aber keine Kümmernis,
Arbeit an den banalen Quellen des Lebens.

Die Existenz bleibt, weil es viel zu tun gibt,
den Wohlstand gibt es nicht mehr.

Glückliche Zeiten, ein Gespräch mit der Mutter.
Nicht jede bezahlte Rechnung bedeutet Glück.

Keine Liebe bleibt glücklich und falsche Küsse
gibt es nicht mehr. Der Reim ist die Rettung der
Tugend.

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Poesie


alleppoIch denke, dass die Worte die ich sage
etwas zu tun haben mit der Luft;
die atme und dem Schlaf und der
Lebendigkeit, in denen ich mich

wieder finde. Wer liest schon Gedichte.
Und dennoch ist Poesie eine innere Stimme.
Sie begleitet dich mit oder gegen deinen
Willen. Sie verwandelt die Menschen

und die Orte, ohne dass sie es wollen
in eine Fantasie. Es geschieht einfach
und manchmal denke ich, das ist Idiotie.
Klar muss ich denken gegen Poesie.

Die Vernunft ist so banal, wie unser Wünsche und
diese Körperwelt. Die Wirklichkeit besteht
aus Zahlen, die Innerlichkeit aus Poesie.
Ich finde mich in beiden Welten wieder.

Mal hier, mal dort. Doch wenn ich einstmals
sterbe, dann ist das letzte was mich wieder
findet die Bilder einer alten Poesie.

Die alte Stadt


die alte stadtDie alte Stadt ist voller Zuversicht.
Sie steht und fällt gut aus.
Und viele Menschen sonnen sich,
sie geben Geld in Neustadt aus.

Die alte Stadt kennt viele Kinder,
dort führen alle Wegen zu den Gärten
und auch in Schulen kennt man sich
gut aus. So lebt es sich sehr gut

in dieser alten Stadt. Die neuen Menschen
kennen sich gut aus in dieser alten Stadt.
Und viele alte Märchen, umranken
diese Stadt. Befrage alte Frauen,

dann wird die Stadt zu einem Unheilsort.
Befrage junge Frauen, dann wird die Stadt
zu einem Sehnsuchtsort. So wandelt sich
die Stadt in dem Gesicht ihrer Bewohner.

Die alte Stadt ist jung und alt sind manche
Jungen. Die alte Stadt bleibt alt und vorbehalten
allen Jungen. Doch fürchte diesen Fluch,
das Leid der leidenden Alten. Damit dich

nicht das Leid erschlägt, der Toten und der Alten.

 

Erwachen

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Ich bin erwacht und war so tief ertrunken in
meinem Schlaf. Dann hat mich eine Welle
an den Strand gespült. Ich war allein

und hatte viel zu viel getrunken. Erwachend hat mich
die Morgensonne in die Nüchternheit in diese Wirklichkeit
zurück gespielt. Zuerst erwachte mein Gehirn, dann meine Glieder.

Und als mein Wille und ich selbst zurück gefunden haben
erwachte ich aus meinem Schlaf, ich sah mich um
und alle Dinge wurden meine Brüder. Und ich erhob mich,

um meinen alten fetten Körper abzuwaschen. Danach
trank ich Kaffee. Nach unten ging ich nur, um eine Zeitung
voll Klischees auf einen Tisch zu legen.

Bevor ich es versah, wurden aus acht Stunden zehn.
Bis ich es schon verstanden hatte, zeigte die Sonne
den Zenit. Erst als ich Mittagessen kochte, war mir bewusst,

dass alles was ich tun musste, zu schreiben war. Eventuell
auch singen oder tanzen, an einem späten Nachmittag.
Und als der junge Tag so schnell verging, ich wieder trinken

musste. Damit die Stunden leicht an mir vorüber ziehen.
Damit ich spät in dieser Nacht und an dem frühen Morgen
bin wieder spät erwacht, so dass die Tage und die Wochen

gehen.

Für Mathias Claudius


 

nachtbaumDie Nacht ist aufgegangen,
das schwarze Zelt steht still.
Und die Laternen leuchten
an feuchten Gräsern stehen

die Straßen an den Grenzen,
wo unser Landrat gehen will.
Wir haben uns verraten und
tragen einen Spaten, der Gräben

reißt in jeder Flur. So sind wir alt
geworden und lernen immer nur,
wohin die Richtung will.
Die Zeit, sie reißt uns nieder,

die Welt, sie wird nicht wieder
das sein, was uns umgab.
Und nur die Bäume trösten,
den Menschen, der das Wachstum will.

Was sein will, muss sein.


drunkenIch gehe betrunken nach Hause, mein Geldbeutel ist leer.
Für meine Münzen habe ich Vergessen bekommen. Nichts mehr
als einen neuen Tag habe ich für den Schlaf, mutig geraubt
mit Sonnenstrahlen am Fenster unter dem Dach und einem Kater

erreicht. Erhaben gehe ich in die Küche und brate würdevoll Eier.
Ich stelle den Toast und den Tee auf den Tisch. Das Geseier im Radio
gibt mir die Kraft und den Mut, mich offenen Fragen zu widmen.
Ich sehe das Leid, die Angst und den Tod und lese die Tageszeitung.

Das Leid und der volle Kühlschrank trösten mich über die unvollkommene
Welt hinweg. Das Elend endet vor meiner Tür und beginnt in fremden Ländern,
die mich nicht berühren. Wenn ich stark bleibe, kann ich meine Vorurteile

halten oder das Elend fremder Menschen am Schreibtisch idealisieren.
Ich muss wohl Leserbriefe schreiben, damit sich Kommentatoren wichtig
fühlen. Und wenn ich den Müll entsorge und Steuern zahle, kann alles bleiben,

was es will. – Und ich kann mich großartig fühlen.

Herr Meier

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Herr Meier ist ein Idiot und geht aus dem Haus
wie immer schauen die Nachbarn aus dem Fenster
hinaus. Herr Meier geht seinen Weg ins Büro
und geniest den Schwalbengesang. Seine Blicke

schweifen am Himmel entlang und um die
Straßenecke. Herr Meier sieht die Schmuddelkinder,
er sieht die sauberen Straßen. Er sieht das Pflaster
und darüber hinaus, sieht er glatte Gehwege.

Herr Meier ist zufrieden mit seiner Stadt.
Er liebt die Fassaden und den Anstrich,
die Schaufensterauslagen im Regen.

Herr Meier isst gerne ein Eis in der Innenstadt
und er liebt den Sommerregen. Herr Meier ist
Teil dieser Stadt und Teil einer großen Kulisse.

Und wo Herr Meier diese Stadt nicht mehr sieht,
vermischen sich Regen und Pisse. Dort stinkt es,
es ist feucht und glatt, und der Dreck klebt an

schwarzen Wänden. Das ist die dreckige Seite der Stadt,
wo auch Herr Meier wird einmal enden. Und bis es
soweit ist, geht alles den Gang zu dem Punkt, wo

Fassaden sind Mauern und die Wand keinen Anstrich hat.
Dort wir Herr Meier einmal enden.

Sinnloses Tun und Befreiung

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woman

Und wenn ich mich frage, ist die Mühe gut
und die Arbeit ist wenig wert, dann will ich
wissen, dass Mühe und Wut mir immer ein Leben
sind wert. Und auch wenn ich weiß, dass alles,

mein Tun klein und armseelig sind, dann kann
ich noch sagen, dass meine Mühe ist Freude und ich
in der Armut noch immer ein Lachen sind.
Am Schluss dann bleibt mir die Müdigkeit.

Und wenn ich erwache am anderen Tag,
und mich in meinen Knochen wieder finde,
dann liegt mein Körper so weich in Federn,

die der Tag meinen Gliedern gelassen, in einer Nacht
voller Träume. Und ich mich erheben muss
für einen neuen Tag in einem sinnlosen Leben.

Doch der Schlaf tröstet mich und lässt mich leben.
Die Mühe kreist um sich selbst. Und so werde ich
Tag um Tag mein armseeliges Leben wieder finden.