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Illustration: Foto

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Ich bin kein Experte. Nicht dass hier der Eindruck entsteht, ich wolle mich wichtig machen. Ich schaue Kunst als gebildeter Laie an. Nicht weil ich alles verstehe, sondern weil ich es eben nicht kann. Ich verstehe etwas von Musik. Ich kenne den Mainstream. Ich habe auch genug schöne und unschöne Literatur gelesen. Bei bildender Kunst kann ich das nicht behaupten. Ich kenne keine aktuellen Trends, noch jeden wichtigen Künstler. Ich fasse Kunst auf und widme mich dem, was mein Interesse weckt. Soviel vorweg.

Bis zu einem gewissen Grad erscheint mir Kunst rätselhaft. Das finde ich gut. Denn wie bei einer Kippfigur ist ein Objekt ambivalent oder polyvalent. Es offenbart mehrere Bezüge und Assoziationen und entzieht sich der eindeutigen Interpretation. Das ist manchmal etwas verwirrend, aber immer spannend. Als Kind habe ich mich darüber aufgeregt, das Kunst nicht eindeutig ist. Heute finde ich es gut. Ganz einfach, weil die Betrachtung mir etwas über mich mitteilt und über das betrachtete Objekt. Und ich kann meine Wahrnehmung mit dem Objekt vergleichen, wenn ich mir etwas Zeit nehme.

Wie kommt das? Zunächst ist für mich die Irritation Teil des künstlerischen Konzepts. Ich finde es wichtig, mir und dem Kunstwerk Voreingenommenheit zu ersparen. Ich erspare mir die Kritik und habe auch nicht den Anspruch, alles zu verstehen. Ich will es ganz einfach sehen. Es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Je nach Bedürfnis schaue ich mir alte oder neue Kunst an. Ich habe es aufgegeben, mich zu fragen, was Kunst ist oder nicht. Ich finde diese Frage merkwürdig und eindimensional. Kunst ist, was im Museum hängt oder steht. Punkt, Schluss.

Wenn mir etwas gar nichts sagt, was vorkommt, gehe ich einfach weiter. Umso so schöner ist es, wenn mich etwas fesselt. Das muss nicht schön sein, es muss auch nicht angesagt, neu oder alt sein. Ich weiß, dass Kunst einen ideellen oder materiellen Wert hat, aber das steht nicht im Vordergrund. Ich sammle Eindrücke, Anblicke, Gedanken und Assoziationen. Das gelingt mir leichter im Museum. Film und Musik haben eher Erlebnischarakter. Kunstobjekte sind eher kontemplativ. Diese Kontemplation befreit mein Denken, sie lenkt mich ab. Ich muss mich nur einlassen. Jede Frage, die sich dann stellt, ist eine gute Frage.

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