Erste Liebe

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erste_liebeIch gehe den Gehsteig entlang, wo die viereckigen Steine
Linien bilden. Die harten Köpfe quadratischer Ecken,
ein planmäßige Landschaft bilden. Einen Weg vor oder
rückwärts vor Schwellen und Türen, vor Häusern an

denen ich weiß, dass sie einem Menschen, einer Familie
gebühren, wer dort lebt, von dem ich nichts weiß.
Und einmal mehr gehe ich nachts diesen Weg und kann
keine Freundschaft empfangen. Und ich frage mich,

wo du geblieben bist, wie haben wir uns dort empfangen,
am Gehsteig vor dem ersten Kuss und mit dieser
großen Erwartung. Wir lagen uns in den Armen und

an der Brust. Und die Steine bildeten eine Straße,
für die Liebe und unsere Unvernunft, irgendwo am
Ende der Gasse, wo wir uns zwischen der Härte verloren.

Stillstand


strasseKann es sein, das nichts passiert und Regentropfen benetzen das Glas meiner Brille. Und ich sehe in diesem kleinen Kreis ein großes Glas, das verzerrt die wichtigen Körper und Strecken abbildet. Kann es sein, das ich schwitzend den Straßen begegne und sinnlos Papier auf Briefkästen stecke, bezahlt mit Scheinen aus einem Geheimnis. Kann es sein, dass ich trinke und nichts weiß, weil ich leichtsinnig bin, da ich jung blieb und keine Familie habe und nichts über meine Herkunft weiß. Ist Unwissen Sinn? Dann ist es Sinn, ein Geheimnis zu haben und damit zu wuchern. Macht es Sinn, nicht ernst zu nehmen, was wichtig ist. Sich alles zu nehmen, so zu tun, als wäre man, alles und gleichzeitig niemand zu sein. Dabei nichts geschieht und nichts passiert, das alles vergeht im Schein, einer Sache von der wir nichts wissen. Kann das sein? Dann ist Unwissen Wissen.

Monsterfilme

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monster

Am Anfang steht das große Unbekannte,
ein Forschungsteam stapft durch den Schnee.
Der große Leichtsinn und das nicht benannte
Ungeheuer in einem Eisblock in `nem See

lassen schon ahnen, was als nächstes kommt.
Das Ding erwacht und wie gewohnt,
verspeist es schlecht gelaunt den ersten Mann.
Und manchmal kommt ein zweiter dran.

Doch statt das Risiko zu sehen,
bleiben die anderen stehen,
versuchen gar das Ding zu fangen,
bis dann ein dritter Mann gelangen

kann in seinen Magen. So geht es weiter
bis zu dem Ende, wobei nur einer überlebt,
meist eine Frau mit großen Augen, die bebt
vor Angst und sich nur retten kann, weil leider

niemand Monster mag, die in Gestalt von großen
Hummern und anderen Schalentieren vor bloßen
Augen weniger Zuschauer, statt einfach nur im Eis
zu bleiben, sich viele Menschen einverleiben.

Es regnet

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regenEs regnet in Strömen, ich habe ein Dach,
das Wasser zieht Fäden, die Erde wird
nass. Autofahrer werfen den dritten Gang,
ein und fahren blind mit ihren Scheiben.

Die Fäden aus Wasser werden zu Pfützen,
wer keinen Schirm dabei hat, saugt sich voll,
er muss unter einem Dach den Schutz finden,
den er nicht fand als die Sonne schwoll.

Es regnet und wenn es so weiter geht,
dann werden die Bäche zu Strömen. Dann
steigt über die Ufer dass Wasser und Straßen

werden zu Flüssen. Das Wasser treibt
alle Keller voll und ein Strom der Zerstörung
lässt Wiesen blühen und macht alle Pläne zunichte.

Es regnet, nur die Erde lässt still
das Wasser auf ihre Krumen fallen,
solange das Wetter es will.

Lass Wasser in deine Haare fallen,
benehme dich, trockne die Haare und
füge dich still.

Bleistiftgebiet

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bleistiftheft

Ich schreibe in mein Bleistiftheft
das ganze Alphabet. Und kombiniere
Worte mit ungehörten Lauten. Sie
führen mich auf einen neuen Weg

wo Texte wachsen. Dort finde
ich die Wäldchen, wo neue Sätze blühen,
wo Licht und Schatten einen Sinn ergeben.
Dort werde ich verweilen. Doch nur ein Kind

kann zwischen Licht und Schatten stehen.
Die Temperatur bestimmt den Ort.
Und wenn die Sonne sinkt, dann
wird es dunkel, alles schweigt,

es träumt und denkt. Am nächsten Tag
erstrahlt der Sinn in vielen anderen
Farben. Dann gehe ich erneut durch diesen
Wald, und lassen mir den Sinn entgegen tragen.

Ungewiss


Ein älteres Gedicht, das eine spät sommerliche Melancholie einfängt.

memomedien

blumenwiese_collageBloß keine Worte mehr.
Der Rest ist Schweigen.
Und keine Fragen mehr.
Wohin damit?

Und einfach sehen,
was der andere macht.
Und auf den Himmel schielen.
Vielleicht noch ein Gefühl.

Auf einen anderen Morgen hoffen.
Die Nacht ist jung.
Was sich ergibt?
Ein warmes Bett am Ende.

Schon Wissen ist zu viel.
Wo alle Fragen offen bleiben,
dort gibt es täglich viel zu tun.
Doch nur der Tod ist uns gewiss.

Der Rest des Lebens
kommt vorbei und grüßt
an anderen Tagen.
Ein jeder würde gerne wissen,

wo bist du geblieben.
Doch wissen, wo man
bleibt, ist ungewiss.

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Sonnenaufgang


Ein älteres Gedicht, das mir spontan früh morgens nach dem Aufwachen in den Sinn kam.

memomedien

landschaft_blog Landschaft: Harm von Lintig

Vieltausendstimmiges Konzert im Nebelduft
Die ausgelaugten sandigschlaffen Glieder
Füllen sich mit Morgenluft.

Den Horizont bricht auf das Licht.
Nach einer Weile zerfällt der Chor
In seine einzelnen Teile.

Die Stadt enthüllt ihr Angesicht.
Maschinen singen Lieder.
Wie körnig glitzernd weißer Sand

Geworfen aus eines Kindes heller Hand,
Liegen tausend Dächer da,
wie sie kein Sterblicher je sah.

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Weltende


Das ist ein Gedicht von Jakob van Hoddis. Ich blogge hier Gedichte, die man lesen sollte. Abgesehen von meinem Kram.

memomedien

Welruntergang

Dem Bürger fliegt vom spitzen Kopf der Hut,
In allen Lüften hallt es wie Geschrei,
Dachdecker stürzen ab und gehn entzwei
Und an den Küsten – liest man – steigt die Flut.

Der Sturm ist da, die wilden Meere hupfen
An Land, um dicke Dämme zu zerdrücken.
Die meisten Menschen haben einen Schnupfen.
Die Eisenbahnen fallen von den Brücken.

Jakob van Hoddis

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Baustelle – Kurzgedicht

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baustelle

Gehen, wachen, schlafen gehen,
wehen, lachen, drohen, sehen
Weinen, kaufen, wandern, schreiben,
schaufeln, trinken, laufen, stehen.

Kräne, Pläne, Grundgerippe.
Gräben graben, Stahl in Matten.
Wände, Gräben, Fundamente.
Krähne, Steine, Dachgestühle.

Großer Körper, das Gebäude,
Dicke Banker, das Vertrauen.
Mieter, Händler, Maurer, Kinder,
Kleine Menschen, Menschenschinder.

Arbeit, Ware und Kredit. Pädagogik
und Zenit. Zahlen, Lehrer und
Gedanken. Sorgen, Freunde und
Gewissen. Wohnen, wo es bleibt.

Freundlich bleiben und vermieten,
anderen Menschen etwas bieten,
eine Dividene machen, mit den
neuen Nachbarn lachen. Häuser

bauen, wie man kann. Freundlich
sein und streng für alle. Häuser
Kaufen, bauen. Alle helfen und

verdienen. Schulden machen,
kaufen, leihen, dienen,
Schuld vermachen. Lachen,

erben, ärgern, Sachen machen,
Steuern zahlen und Kredit,
sterben, lassen und vererben.